06.10.2017 - Sonja Bick (ST) zu Gast in der WG Hummes Specht/Zoodsma

Volleys-Zugänge finden sich prächtig ein

Von Sonja Bick/Solinger Tageblatt: "Terrible" – also schrecklich – sei das Zusammenleben mit Rutger Zoodsma, sagt Iurgen Hummes Specht, hält kurz inne, blickt zu seinem WG-Kumpel hinüber und fängt im nächsten Moment an zu lachen. "Nein, natürlich nicht", korrigiert sich der 25 Jahre alte Brasilianer, der aufgrund seiner blonden Haare, seiner hellen Haut und seines deutsch anmutenden Namens auch locker als Deutscher durchgehen könnte. Es sei sogar ziemlich entspannt, völlig problemlos und – sehr sauber. "Wir putzen zwei Mal pro Woche. Bei uns kann man vom Boden essen", versichert Zoodsma, der 22 Jahre alte Niederländer im Kader der Bergischen Volleys, ziemlich glaubwürdig.

Seit gut drei Wochen wohnen die beiden Volleyball-Profis, die sich vorher nicht kannten, zusammen in einer Wohnung. Dort wird geschlafen, gegessen, mal ein Buch gelesen – und im Fall von Zoodsma – Videospiele gezockt. Etwa 70 hat er mit nach Solingen gebracht. „Viel Zeit dafür bleibt aber gar nicht“, sagt der 22-Jährige. „Wir trainieren meist zwei Mal täglich, es ist alles sehr professionell. Mittags essen wir alle zusammen bei ,La Vita’: Lasagne, Pasta, Risotto oder Schnitzel.“ Damit ist auch Iurgen Hummes Specht sehr zufrieden. In seiner südamerikanischen Heimat gibt es allerdings einmal pro Woche ein großes Barbecue. „Das vermisse ich schon“, sagt der Brasilianer, der tatsächlich deutsche Vorfahren hat: „Der Großvater meines Großvaters kam hierher, oder so ähnlich.“

"Wir müssen als Team wachsen und Schritt für Schritt weiterschauen."
Rutger Zoodsma mit der etwas vorsichtigeren Zielsetzung als sein Kollege

Während der 25-Jährige knapp 10 000 Kilometer von seiner Familie entfernt ist, sind es bei Rutger Zoodsma nur etwa 300. „Ich bin so nah an meiner Heimat, ich vermisse nichts und werde von vielen Leuten Besuch bekommen.“ Trotz der großen Distanz erwartet auch Hummes Specht Besuch, wahrscheinlich von seinem Bruder und von seiner Schwester. Sie müssen dann auch für Tee-Nachschub sorgen. Denn jeden Tag trinkt der 25-Jährige eine spezielle brasilianische Kräutermischung. Drei bis vier Monate wird sein Vorrat wohl reichen, dann muss nachgelegt werden. Sein WG-Kollege hat übrigens auch schon probiert und diesen für sehr lecker und gesund befunden, wie er grinsend erzählt.

Nur Specht und Bene haben zusammen gespielt

Die beiden verstehen sich, das merkt man. Das gilt aber auch für die anderen Spieler, die bis auf Hummes Specht und Libero Robert Bene allerdings noch nie zusammen in einer Mannschaft gespielt haben. Dafür standen sie sich aber bereits als Kontrahenten gegenüber. „Gegen Gerrard Lipscombe habe ich in der Schweiz gespielt, gegen Sam Boehm in den Niederlanden“, sagt Zoodsma. „Und Mart van Werkhoven kenne ich, weil er ebenfalls Holländer ist.“ Doch auch seinen neuen Kumpel aus Brasilien kann er bereits ganz gut einschätzen: „Iurgen ist ein sehr emotionaler Spieler, der komplett aus sich rausgeht.“ Rutger hingegen kämpfe um jeden Ball und wolle immer gewinnen, sagt Hummes Specht, und der Angesprochene ergänzt: „Stimmt. Ich hasse verlieren.“ Möglichst oft zu gewinnen, darum geht es ab nächster Woche Sonntag.

Um 17 Uhr starten die Volleys mit einem Heimspiel gegen die SVG Lüneburg in ihre zweite Erstliga-Saison. Für den 2,06 Meter großen Niederländer und den fünf Zentimeter kleineren Brasilianer ist es ihre Premiere in einem neuen Land, mit einem neuen Team. Da liegt die Frage nahe, ob die beiden nervös sind. „Kein bisschen“, lautet ihre identische Antwort. „Wir sind Profis, und das ist unser Job“, sagt Zoodsma. Hummes Specht ergänzt: „Wir haben ein gutes Team. Die Bundesliga ist zwar stark, aber wir wollen möglichst weit oben mitspielen.“ Vorsichtiger formuliert es sein Teamkollege: „Wir stehen ganz am Anfang. Alle sind neu. Wir müssen als Team wachsen und dann Schritt für Schritt weiterschauen.“ In den kommenden Wochen wird sich also zeigen, ob die Saison ähnlich problemlos verlaufen wird wie das WG-Leben der beiden Profis.

 

STECKBRIEFE

RUTGER ZOODSMA Alter: 22; Größe: 2,06 m; Position: Mittelblocker; Rückennummer: 7 Obwohl Vater Ronald 349 Mal für die niederländische Nationalmannschaft spielte, hat sein Sohn erst mit 16 Jahren mit dem Volleyball begonnen. Er schaffte es schnell in Junioren-Nationalteams und in die holländische 1. Liga. Zuletzt spielte er in der Schweiz. „Wir hoffen natürlich, dass er mal so gut wird wie sein Vater. Außerdem übernimmt er hier Verantwortung“, sagt Volleys-Manager Helmut Weissenbach über den 22-Jährigen. 

IURGEN HUMMES SPECHT Alter: 25; Größe: 2,01 m; Position: Außenangreifer; Rückennummer: 10 Der Brasilianer steht vor seiner vierten Saison in Europa. Er spielte bereits in Spanien, Estland und Ungarn – dort holte er gemeinsam mit Libero Robert Bene den Pokal. "Er ist sehr extrovertiert und hat aufgrund seiner emotionalen Art das Zeug zum Publikumsliebling", sagt Weissenbach.

 

 

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