Sebastians Kolumne

Sebastian Schmidt-Volf ist u.a. Bassist der notorisch erfolglosen, aber unverdrossen dem Weltruhm entgegenstrebenden Band Enemy Station. Ausserdem leidenschaftlicher Sportfan – hier vor allem der Düsseldorfer Fortuna und der DEG. Seit dem letzten Jahr wirft er für uns auch einen regelmässigen Blick "von aussen" auf das Geschehen in der Volleyball Bundesliga.

Das Letzte Spiel: GVAZ

Vom Kloster Andechs haben wohl die meisten schon gehört. Diese Kloster Andechs ist nicht nur eine Touristen-Attraktion, sondern da wird auch ganz vorzügliches Klosterbier gebraut. Und dieses Kloster liegt nur ein paar Kilometer südöstlich von Herrsching, diesem, äh, Städtchen am Ammersee, das unseren heutigen Gegner hervorgebracht hat – den TSV Herrsching, den GCDW. Den Gecedewas? Den GCDW, den „geilsten Club der Welt“, so die Selbstbeschreibung, übrigens auch auf der Homepage. Ein wirklich geiler Club, nicht nur – aber auch – wegen der lustigen Seppel-Trikots!

Sei toll und steh dazu – das nenne ich Haltung! Vor allem auch, weil das kein reiner Marketing-Gag ist, sondern Herrsching durchaus etwas zu bieten hat – David Coverdale zum Beispiel, diesen Hardrock-Sänger mit der Bombenleger-Frise, der sich bei Deep Purple versucht und danach Whitesnake gegründet hat. Der Bengel hat mal in Herrsching gelebt. Behauptet jedenfalls wikipedia, und das will ich dann einfach mal glauben. Oder auch Christian Morgenstern, diesen mitunter bitterbösen Dichter der vorletzten Jahrhundertwende, der da geboren wurde:

Und er kommt zu dem Ergebnis:
Nur ein Traum war das Erlebnis.
Weil, so schließt er messerscharf,
nicht sein kann, was nicht sein darf.

Kommt, Leute das ist einfach richtig gut, fast noch besser als deren Team, auch wenn das durch Christoph Marks, der letzte Saison noch hier bei den Volleys gewirkt hat und im Sommer zum GCDW gewechselt ist, natürlich auf eine völlig neue Ebene gehoben wurde. Ich mag die, ich mag die wirklich. 

Das heißt aber noch lange nicht, dass die hier heute irgendwas holen sollten. Oder auch nur dürfen, das können wir uns schlicht nicht leisten. Wenn wir noch an Rottenburg vorbei wollen, muss heute gepunktet werden. Und zwar doppelt, aber immerhin nicht dreifach. Wenn ich mich nicht verrechnet habe. Und wenn Rottenburg mitspielt natürlich, also fleißig verliert. Wenn Rottenburg nicht mitspielt, ist es eh egal, dann sind wir weg. Wenn ich mich verrechnet habe auch. Theoretisch jedenfalls. Rein praktisch ist ja der Tabellenletzte noch lange nicht abgestiegen. Und die Sieger der zweiten Ligen sind noch lange nicht aufgestiegen. Wer wüsste das besser als wir hier im Bergischen? Aber darum soll sich diesen Sommer ruhig mal Rottenburg kümmern müssen. Und werden GVAZ, der geilste Vorletzte aller Zeiten.

Let’s talk about snow

Volleyball am Strand – kennen wir, nicht erst, seit die Damen Ludwig und Walkenhorst neulich in Rio und die Herren Brink und Reckermann davor in London olympische Goldmedaillen gewonnen haben. Volleyball am Strand macht ja irgendwie auch Sinn: Man ist draußen und bewegt sich an der frischen Luft, das ist immer gut, die Sonne scheint (ich unterstelle jetzt, dass an einem richtigen Strand und bei richtigem Wetter gespielt wird, nicht im Juli-Regen bei 15 Grad an der Ostsee), da kommt schnell viel Stimmung auf, weil es spektakulär und attraktiv ist. An dieser Stelle überlege ich kurz, ob ich in mee-too-Zeiten zum Stichwort „attraktiv“ einen Einschub über Punkt 2.3.1. der „FIVB Players’ Uniforms Guidelines for Olympic Games“ mache, in dem es heißt, dass die Bikini-Hosen maximal, aber so was von maximal 7cm breit sein dürfen und die Frage stelle, ob es für diese nur die Frauen betreffende Regel irgendeinen sportlichen Sinn gibt, entscheide mich aber dagegen, um nicht allzu moralinsauer rüberzukommen. Wo waren wir stehen geblieben? Ach ja, beim Sport an der frischen Luft.

Den gab es letztes Wochenende auch, und zwar nicht nur an frischer, sondern an verdammt frischer Luft bei bis zu -10 Grad im Winterberg, denn da wurde die erste deutsche Meisterschaft im Snow-Volleyball ausgetragen. Nein, kein Witz, Volleyball auf Schnee. Die Regeln sind dieselben wie beim Beachvolleyball, die Ausrüstung ist naturgemäß eine andere – da wird nicht mit 7 cm breiten Bikini-Hosen gespielt, sondern eher mit 7 cm dicken Thermoshirt-Schichten zu Handschuhen und Pudelmütze. Und Stollenschuhen, um wenigstens ein bisschen Halt zu haben, schnelle Richtungswechsel auf Schnee sind ja immer ein wenig problematisch.

 

Einen Hechtbagger auf Harsch stelle ich mir übrigens auch begrenzt spaßig vor, aber das nur am Rande. Ein wenig merkwürdig sieht das schon aus. Wer mag und falls dann jemand in der Nähe ist: Im März gibt es in Waldgrain/Österreich auf 1.800 m Höhe die Europameisterschaft, mittelfristig ist geplant, diesen neuen Sport bei den Olympischen Spielen unterzubringen – den Winterspielen, wohlgemerkt. Warum auch nicht? Der Fairness halber sollte dann aber auch bei den Sommerspielen Bobfahren auf der Wasserrutsche veranstaltet werden oder Curling auf Schotter, das wäre sicherlich auch für die Wischer noch einmal eine völlig neue Herausforderung. Leicht absurd, das alles. Aber sollen die jungen Leute ruhig mal machen.

Hier und heute gibt es weder Strand noch Schnee, hier und heute gibt es traditionellen Hallenvolleyball. Durchhalteparolen werden anderswo genug zu hören und zu lesen sein, die verkneife ich mir und beschränke mich auf den Taktiktipp des guten alten Firlefranz Beckenbauer: "Geht’s raus und spuits."

Heimspieltag 8 gegen Bühl: Exotik in der Wittkulle!

Das ist ein "x" in dem Wort, nur falls sich jemand verlesen haben sollte. Mit dem heutigen Gegner, aktueller Pokalfinalist (Glückwunsch dazu!), kommt ein Kontrahent ins Bergische, bei dem es vor Exotik und Exoten nur so strotzt. 

Der argentinische Coach Ruben Wolochin ist ja quasi Stammgast in dieser kleinen Kolumne – ich mag den Mann in seiner ruhigen und sympathischen Art nach wie vor. Guckt ihn euch heute noch mal gut an, um nächste Woche den Vergleich zu ziehen, wenn sein Antipode HPMA hier durch die Halle rumpelstielzchent. Nicht missverstehen: Den mag ich auch, aber er bildet halt schon einen echten Kontrast, vorsichtig formuliert. Ob das daran liegt, dass der eine bei einem badischen und der andere bei einem schwäbischen Team aktiv sind, wäre bei Gelegenheit zu ergründen. Aber ich schweife ab.

Mindestens genauso exotisch ist der Sportskamerad Magloire Nzeza Mayaula, der nun schon seit einigen Jahren bei den Gästen aktiv ist. Ich muss gestehen, dass ich mir ganz schlecht visualisieren kann, wie ein kleiner Magloire an einem Küchentisch in Kinshasa, DR Kongo, steht und seiner Mami erklärt, dass er gerne in einem Verein Volleyball spielen möchte. Aber irgendwie muss es sich ja so oder so ähnlich zugetragen haben. Ganz so klein ist der Kollege übrigens nicht mehr – 2,02m mit einer Schlaghöhe von 3,65m. Sag dem mal bitte jemand Bescheid, dass hier in Solingen die Hallendecke verdammt niedrig ist. 

Aktueller Exotikstar (nicht mit den Konsonanten durcheinanderkommen!) ist allerdings Masahiro Yanagida, der im Sommer von den Suntary Sunbirds aus Osaka losgeeist wurde, als Japaner in der VBL eine echte Attraktion darstellt und, soweit das aus der Ferne beurteilt werden kann, sportlich voll eingeschlagen ist. Letzte Woche 13 Punkte gegen Rottenburg, davor waren es auch schon mal 18 in drei Sätzen (gegen Innsbruck). Zum Vergleich: Unsere Punktbesten, Sam Boehm und Rutger Zoodsma kamen gegen KW auf 15 bzw. 14 – in vier Sätzen! Und das alles mit 1,86m. Man darf gespannt sein.

Der absolute Gipfel der Exotik fand allerdings vor ziemlich genau 14 Monten hier in der Wittkulle statt. Da hatte der TV Bühl die große Ehre, das erste Team zu sein, das gegen die Volleys Bundesliga-Punkte abgibt, und zwar gleich alle drei. Die Älteren unter uns erinnern sich vielleicht. Allzu viele sind seitdem nicht dazu gekommen, aber es gibt Traditionen, die man sich bewahren sollte. Das wäre so eine.

Heimspieltag 7: Eigentlich Mittelfeld …

Gibt’s vom Sport was wesentlich Neues? Öhm, nein, eigentlich nicht. Die letzten Spiele brachten ein 0:3 (H/Frankfurt) und ein 1:3 (A/Innsbruck), bei dem wir noch viel näher an einem Punkt waren als je zuvor in dieser Saison. Beides nicht wirklich überraschend, aber beides eben auch nicht wirklich hilfreich. Rein tabellarisch sieht das nach wie vor ziemlich trostlos aus, auch wenn der Februar, der die Wende bringen kann, soll, muss und *hüstel* wird, gerade erst angefangen hat. Die rein sportliche Tabelle, meine ich. Die onomatologisch-heraldische Tabelle sieht unser Team auf einem soliden Mittelfeldplatz. Die was? Kurz gewikipediat: Die nach Qualität der  Namen und hilfweise Wappen sortierte und absolut subjektive Tabelle. Die sieht so aus:

11. HYPO TIROL AlpenVolleys Haching.
Bei aller Liebe: Das geht gar nicht. Sponsorennennung im Teamnamen gefällt mir generell nicht (ist aber manchmal nötig, weiß ich), aber selbst wenn man das ausblendet, bleibt der Name furchtbar. Das ehrliche „Innsbruck“ kommt nicht vor, darf es vielleicht nicht, dafür aber der zarte Hinweis auf die Alpen, die man in Haching nun wirklich vergeblich sucht. Und „Volleys“ mit großen Binnen-V ist als Nickname auch nur mäßig originell, zumal er von der halben Liga verwendet wird.

10. SWD powervolleys Düren
Sponsorennamen hatten wir gerade schon. Statt des Binnen-V aus Tirol kommt der einzige NRW-, äh, Rivale, mit einem Kleinbuchstaben am Wortanfang daher, das ist auch nicht viel besser, vor allem, wenn das  Halbwort subtil auf den Sponsor hinweisen soll.

9. Netzhoppers SolWo Königspark Königs Wusterhausen
Das ist kein Name, das ist eine Kurzgeschichte, die kaum in eine Zeile passt. Und denkt man bei Netzhoppers vielleicht noch an Grashüpfer wie bei den Grashoppers Zürich, turnt im Wappen überraschenderweise ein Känguru herum. Das ist sprungstark, sicher, aber wie, bitte, soll mit den Kurzärmchen geblockt werden?

8. Berlin Recycling Volleys
Wenn ich den Sponsorennamen ausblende, bleibt Berlin Volleys. Für den Hipsterclub einer europäischen Hipstermetropole ist das vom Originalitätsfaktor her ein wenig dünn. Das „Recycling“ macht es wahrlich nicht besser. Biederes Mittelmaß.

7. Volleyball Bisons Bühl
Die gute Nachricht zuerst: Die kommen ohne den Geldgeber aus, das sorgt bei mir doch gleich für Sympathiepunkte. Das Viech in dem Namen macht aber fast alles wieder kaputt. Ich bin ja in einer Zeit groß geworden, in der z.B. der Krefelder EV noch der KEV war, nicht die Krefeld Pinguine. Hätte man es doch dabei belassen. Man muss nicht jeden amerikanischen Quatsch nachmachen und zwanghaft Tiere im Teamnamen unterbringen. Schon gar nicht Bisons, die ich mir auf einem Volleyballfeld übrigens ziemlich chancenlos vorstelle, selbst gegen die Kängurus aus KW.

6. Bergische Volleys
Das „Bergische“ ist neu und soll neben Solingen auch Wuppertal und den Rest des bergischen Landes einbeziehen. So weit, so richtig. „Volleys“ reicht aber sicherlich nicht für den Nobelpreis in Phantasie, da darf man sich ruhig noch etwas einfallen lassen. Die hier schon erwähnten „Ladies in Black“ aus Aachen zeigen, welcher Wiedererkennungswert mit einem originellen Namen verbunden sein kann.

5. United Volleys Rhein-Main

Tjoah. „Volleys“, hey, das ist ganz was Neues! Und „Rhein-Main“, ja, ist halt die Herkunft, quasi deren Version von „Bergische“. Platz 5 und 6 hätte man auch tauschen können, allein das „United“ (Was wird da eigentlich vereinigt? Rhein und Main?) bringt ein wenig Abwechslung.

4. SVG Lüneburg
Kein Sponsor, kein Tier, kein Volley, kein Schnickschnack. Geht doch und reicht auch ohne besonderen Gimmick für die erweiterte Spitzengruppe. Am Rande: Kann man „Lüne-Hünen“ nach drei Pils eigentlich noch unfallfrei aussprechen?

3. VfB Friedrichshafen

Steht vor Lüneburg, weil die noch den lustigen Untertitel „Häfler“ tragen, von dem ich hoffe, dass er für das „Hafen“ aus dem Stadtnamen steht und nicht für einen mir unbekannten Geldgeber. Sonst müsste ich neu justieren und hätte mich hier blamiert.

2. TV Rottenburg
Der TV 1861 Rottenburg e.V. mit einem rot-weißen Logo, das genau so schlicht und unprätentiös aussieht, wie das Logo eines 150 Jahre alten Provinzturnvereins aussehen muss. Die VBL hätte wahrscheinlich lieber die Tübingen Neckarvolleys in der Liga, ich werde bei Oldschool-Vereinen nostalgisch. 

1. TSV Herrsching
Knappes Rennen um Platz 1! Vereinsname und Logo sind genauso altmodisch wie in Rottenburg, da macht der selbsternannte Geilsteclubderwelt den Unterschied. Der geilste Club der Welt ist das natürlich nicht wirklich, aber die Inbrunst, mit der sie das vorbringen, imponiert mir immer wieder aufs Neue.

Hätten wir das auch geklärt und können uns wieder dem eigentlichen Zweck unserer Anwesenheit widmen, dem Sport. Der Februar ist da, ab jetzt darf gepunktet werden!

Heimspieltag 6: Ausser Spesen ...

Ich muss jetzt einfach mal ein bisschen Werbung machen, und zwar für sportdeutschland.tv; den Kanal, auf dem man nicht nur alle Spiele der VBL verfolgen kann, sondern auch sonst allerhand interessanten Sport unterhalb der alles überlagernden Fußball-Bundesliga. Da habe ich mir schon so manches Spiel der Volleys angesehen, auch die Auswärtspartie in Lüneburg am Mittwoch. Live und umsonst, keine blöd daherquatschenden Kommentatoren, da erträgt man auch, dass die Jungs in Lüneburg in Panorama-Perspektive filmen, sodass man schräge Linien auf dem Bildschirm hat.

Große Erwartungen an dieses Spiel hatte ich, pardon, nicht, und insofern wurde ich, noch mal sorry, auch nicht enttäuscht, denn es war ein Match wie schon so viele in dieser Saison: Phasenweise gut, zwischenzeitlich sogar recht deutlich in Führung gelegen wie im zweiten Satz, aber auch böse Durchhänger und am Ende stand halt doch wieder ein frustrierendes 0:3.

Und weil sich das nach dem etwas unglücklich verlorenen zweiten Satz recht schnell abzeichnete (im dritten stand es zwischendurch 4:12 und 6:15, insofern liest sich 22:25 noch ganz passabel), habe ich mit einem halben Auge auf dem Ticker (flashscore.de – in jeder beliebigen Sportart unglaublich schnell! Nein, ich bekomme von denen keine Provision.) verfolgt, was sich in den anderen Hallen so tut. Und bin über das Frauen-Spiel Aachen gegen Stuttgart gestolpert. Okay, bei den Frauen kenne ich mich wirklich nicht gut aus, aber immerhin weiß ich, dass Dresden so in etwa das ist, was Berlin bei den Männern darstellt und Stuttgart quasi Friedrichshafen entspricht – wenn die nicht gerade gegeneinander spielen, bügeln sie alle anderen Gegner ziemlich humorlos weg. Stuttgart führte 2:1 in den Sätzen, lag im vierten aber aussichtslos zurück – 9:16 oder so, jedenfalls turmhoch. Gut, dachte ich mir, gucke ich noch kurz die Volleys zu Ende, wird ja nicht mehr lange dauern, und dann den Tiebreak in Aachen, das wird sicher spannend.

Hat nicht funktioniert. Unser Spiel schon, da kam das Aubäumen viel zu spät, aber Aachen hat mich im Stich gelassen. Denn die haben ihre haushohe Führung genauso wenig ins Ziel gebracht wie es unseren Volleys schon so oft ergangen ist – von 16:9 über 17:13 und 19:17 zum 25:27. War nix mit Tiebreak, die Partien in Lüneburg und Aachen endeten quasi zeitgleich. Tja, anderen ergeht es auch nicht besser. Ob das ein Trost ist, weiß ich allerdings nicht.

Und heute sollte man wohl auch nicht unbedingt mit einem Tiebreak rechnen, auch wenn wir den natürlich gerne mitnehmen würden. Aber das Team aus Frankfurt spielt in der Lüneburg-Liga, ist tendenziell sogar ein wenig stärker, da hängen die Trauben für unsere Jungs also mal wieder verdammt hoch. Vielleicht sind die Gäste ja so nett wie Berlin neulich und lassen ihre besten Leute zunächst mal draußen, bis wir einen (verdienten!) Satz geholt haben. Oder zwei. Womit wir dann doch im Tiebreak wären.

Auswärts in Herrsching …

"Du schreibst ja immer positiv – ich bin gespannt, was dir jetzt noch einfällt." Diese, äh, Aufforderung ist mir mit auf den Weg gegeben worden – allerdings schon vor ein paar Wochen nach dem ziemlich desolaten 0:3 gegen Innsbruck.

So langsam, gebe ich zu, fällt es schwer. Denn wenn man von einem Spiel wie in Herrsching ohne Punkt(e) nach Hause fährt, ist das einfach nur deprimierend. Die ersten beiden Sätze waren noch einigermaßen normal, das 1:1 zu diesem Zeitpunkt auch völlig in Ordnung. Was danach passierte, war einfach nur skurril: Unsere Volleys waren schlicht und einfach das bessere Team, haben aber dennoch beide Sätze und damit das Match verloren.

Im dritten Satz lagen wir 13:6 vorne. Dreizehnzusechs! Und es begann die große Flatter. Auf einmal wurde nicht mehr vernünftig geschossen, sondern die Bälle rübergezittert, auf einmal gingen Annahmen in die Hose oder das Feld erwies sich als zu groß (unsere Seite) bzw. zu klein (deren Seite). 22:25. Nicht zu fassen. In Satz 4 nahezu dasselbe Bild: Wieder lagen wir quasi durchgehend vorne und haben ein gutes und couragiertes Spiel gemacht, wieder haben wir uns nicht belohnt. Nicht mal ein 22:18 hat gereicht. Zweiundzwanzigzuachtzehn!

Der Matchball zum 23:25 fasst das ganze Drama in 2 Sekunden zusammen: Herrschings Zuspieler erreichte einen Schlag von Sam Boehm noch so gerade eben – und dessen unkontrollierte Annahme segelte Zentimeter unter dem Hallendach entlang in aller Seelenruhe in die hinterste Ecke, vorbei an allen völlig entgeistert guckenden Volleys. Schluss, aus, vorbei. Die Herrschinger konnten ihr Glück selbst kaum fassen.

Ja, da hätten wir mindesten einen, eher mehr Punkte verdient gehabt. Und ja, da war einiges an Pech dabei. Aber nicht nur. Wenn du punkten willst, darfst du nicht nur bis zum 13:6 oder bis zum 22:18 gut spielen, sondern bis zum verdammten 25. Punkt. Bis zum Ende cool, mutig und entschlossen zu sein ist auch eine Qualität.

Aber ich wollte ja positiv schreiben. Nun denn. Heute Berlin ... öhm, ja, ist ein Bonus-Spiel. Spaß haben, die Zuschauer unterhalten, und vielleicht springt wieder ein Satz heraus wie letztens gegen Friedrichshafen. Wenn nicht ist es eigentlich auch egal, an diesem Spiel hängt die Saison sicher nicht. Die hängt eher an den reell schlagbaren Gegner, also KW, Bühl, Rottenburg, Herrsching. Und die kommen alle noch zu uns ins Bergische. Alle vier. Nacheinander. Sollen sie kommen! Immer positiv denken!

Heim-Spieltag 4 – Ein Satz ist ein Satz ist ein Satz.

Aber eigentlich auch wieder nicht. Ein Satz gegen Bühl ist schön und gut, hilft aber auch nicht substantiell weiter, weil es für einen Satz allein eben keine Punkte gibt.

Ein Satz gegen Friedrichshafen ist dagegen ziemlich spektakulär. Klar, auch dafür gibt es keine Punkte, aber die konnte man in diesem Spiel nun auch wirklich nicht erwarten, selbst mit einem Satzgewinn hat man realistischerweise nicht rechnen können.

Ich gestehe: Als ich nach Hause kam und 1:1-Satzausgleich, 8:8 im Dritten im Ticker las, war ich verdammt baff. Das riecht nach Sensation, dachte ich mir, da muss ich noch hin – der Gedanke war noch nicht ganz zu Ende gedacht, als ich wieder im Auto saß. Fünf Minuten später war ich an der Halle … an der falschen, wie ich zu meinem Leidwesen feststellen musste. Ich bin zur Wittkulle gehetzt, aber das Spiel war ja im Tal. Öhm, tja, dumm gelaufen.

Jeweils einen Satz also gegen Bühl und Friedrichshafen, aber noch immer keine Punkte. Die sollte es bei unseren alten Relegations-Freunden in Rottenburg geben, die auch erst zwei Sätze gewonnen hatten, die aber immerhin in einem Match und deshalb schon einen fetten Punkt in der Tabelle stehen hatten. Wo soll man gewinnen, wenn nicht da? Das Problem zeigt sich allerdings bereits an der Rückseite derselben Medaille: Gegen wen wollen die gewinnen, wenn nicht gegen uns? Vorletzter gegen Letzter, beide müssen punkten – es war angerichtet für einen Leckerbissen.

Satz 1 gegen Rottenburg habe ich weitgehend verpasst, da war ich noch damit befasst, Co-Trainer Olli Gies als Libero zu verstehen. Libero – das spielen doch immer die kleinen schmalen flinken, die schnell unter dem Ball sein müssen. Olli!? Er wird mir das hoffentlich nicht übel nehmen, aber … er ist doch nicht klein? Aus meiner Sicht hat er das trotzdem (oder gerade deshalb) sehr souverän gemacht, aber verloren wurde der Satz trotzdem. Diese ersten Sätze sollte man sowieso einfach streichen, da steht es gefühlt immer erst 10:10 und kurz danach 12:17 und fott sind sie. Satz 2 dagegen war eine „Runde Sache“ – jetzt war auch der TVR angemessen nervös und die Fehlerwaage neigte sich erfreulich deutlich in die richtige Richtung. Satz 3 brachte eine 16:12-Führung zur zweiten Auszeit. Tja, und so was muss man dann einfach mal nach Hause bringen, wenn man punkten will, in Rottenburg erst recht.

Selbst deren Hyperaktivist an der Seitenlinie, Trainer Müller-Angstenberger, war da mal für ein paar Augenblicke nicht so aufgedreht wie sonst, aber gereicht hat es nicht – 23:25. Satz 4 war dann geradezu eine Zusammenfassung vieler Spiele in 48 Punkten: Immer nah dran, immer mal wieder einen Rückstand aufgeholt, nur um dann doch wieder ins Hintertreffen zu geraten. Wieder 23:25. Wirklich besser war Rottenburg in dem Spiel nicht, aber in der Crunchtime eben ein wenig bissiger, ein wenig cooler, ein bisschen abgezockter, ein bisschen erfolgreicher.

So stehen wir jetzt zwar mit drei Sätzen da, aber noch immer ohne Punkt. Wird sich das heute gegen Düren ändern? Oder demnächst in Herrsching oder gegen Berlin? Es sollte. So ganz ohne Punkte wird es nämlich schwer, Tabellenplatz 11 zu verlassen. 

Auswärts in Bühl – Live am Stream!

Sebastian hat das Auswärtsspiel gegen die Volleyball Bisons Bühl am Liveticker verfolgt und hat durchaus auch Positives zu berichten. Einen Punkt hätten die Jungs diesmal verdient:

1. Satz:

# Haben die kein Licht in der Halle? Ich seh nix.
# Egal, wie führen.
# Und warum höre ich nix? Haben die auch keinen Ton in der Halle? Oder ist doch die Soundkarte gehimmelt? Kurzer Test ... nein, Musik läu . Lasse ich als Untermalung mal an.
# Wir führen nicht mehr. Ist aber auch gemein, gefühlt jede Angabe auf Róbert Bene zu spielen. Immer auf die Kleinen, menno.
# Was macht dieser Mayaula eigentlich für Einwürfe? Die kann ich ja fester, und das will was heißen. Und vor allem: Warum macht der damit auch noch Punkte?
# Stark angefangen, noch stärker nachgelassen. Adieu, Satz 1.

2. Satz

# Huch, wir führen ja schon wieder!?
# Andere können auch Angabefehler machen!? Oder in die Walachei pöhlen!? Neue Erfahrung. Schöne Erfahrung.
# Fünf Punkte vor. FÜNF!!
# 16:10, Werbepause. Ich bin nervös. Kennt jemand Vlastimil Hort? Ein tschechischer Schachmeister, der mal einen wunderbaren Satz gesagt hat: „Ich weiß nicht, ob ich diese Stellung mit weiß gewinnen würde, aber mit schwarz würde ich sie sicher schnell verlieren.“ So sieht’s aus. Bei 10:16 wäre der Satz sicher weg – aber gewinnen wir ihn mit 16:10?
# Feindliches, äh, Ass. Arghs.
# 21:19. Jetzt aber!
# Satzball, Satzball, Satzball! Satzball für uns!! Und dann: Aufschlagfehler... oh Mann.
# Och nee ... wie kann man diesen Satz verlieren, den die uns auf dem Silbertablett serviert haben?

3. Satz

# Wir führen. Das heißt nix. Leider.
# Wir führen deutlich. Das heißt immer noch nix.
# Wir führen verdammt deutlich. Heißt das doch was?
# Wir führen so dermaßen deutlich, dass wir diesen Satz eigentlich nicht mehr verlieren können. Eigentlich.
# Bevor wir in die Bredouille kommen können, machen die anderen erfreulich viele Fehler. Gute Jungs.
# Satzbälle in Serie. Acht oder zehn oder so. Leute, bitte ...
# Satz, Satz, Satz! Wir haben einen Satz gewonnen! Champagner und Kaviar auf den Tisch, Eselsmilch in die Badewanne! Friedrichshafen kann kommen! Die Weltherrscha  ist nahe!

4. Satz

# Ist so gut wie unser. Einen vierten Satz gegen die Volleys – so was hatten die gar nicht in ihrem Playbook, darauf waren die gar nicht gefasst, hehe. Wir schon, wir haben einen vierten Satz ja neulich in Kiel im Pokal gespielt. Und gewonnen. Just saying.
# Nicht übermütig werden. Und nicht so schnell hinten liegen, wenn ich bitten darf.
# Ich war jetzt eigentlich auf die Heldengeschichte des Comebacks eingestellt – Auswärtssieg nach 0:2, you know!? Aber irgendwie ...
# ... geht der Satz dahin wie schon so viele in dieser Saison.
# Ja gut, in Bühl kann man verlieren, das ist anderen auch schon passiert. Immerhin haben wir einen Satz gewonnen. Vielleicht kommen gegen Friedrichshafen und Frankfurt ja welche dazu. Immer positiv bleiben!

Heim-Spieltag 2 – Tu felix Austria! Die Alpenvolleys kommen …

Über unsere neue Internationalität hatte ich mich schon letztens ausgelassen. Der heutige Gegner, die Alpenvolleys Haching, setzen da aber noch einmal ganz neue Maßstäbe, denn deren 12 Spieler kommen aus neun verschiedenen Ländern, und wenn man das Trainerteam dazurechnet, kommt noch ein zehntes hinzu.

Nicht dabei: Deutschland. Allenfalls Bayern, aber das auch nur, wenn man der teameigenen Page glauben darf, auf der offiziellen Bundesliga-Seite findet sich der Kollege nicht und somit niemand aus Schland. Größte Gruppe ist vielmehr Brasilien (4), knapp gefolgt von der Slowakei und Österreich (je 3). Folgerichtig wird dann auch, jedenfalls vorwiegend, nicht in Deutschland, nicht mal in Bayern, sondern in Innsbruck im schönen Tirol gespielt, was nur konsequent ist, da das Team oder Teile hiervon oder zumindest rechtliche Bestandteile in den letzten Jahren ohnehin in der österreichischen Liga unterwegs war.

Moment, Moment. Doch, genau so: Der gute alte TSV Unterhaching von 1910 e.V., immerhin vierfacher Pokalsieger, hat die Wildcard-Lizenz beigesteuert und das Volleyballteam Innsbruck, österreichischer Serienmeister seit Zeiten der Kaiserin Sisi (ein s, nicht zwei!) die Infrastruktur und vor allem weite Teile des Teams und fertig war der frischgebackene VBL-Teilnehmer. Deutsche Liga in Innsbruck – warum auch nicht, die Ladies in Black aus Aachen (übrigens ein grandioser Teamname!) haben letzte Saison bereits ein Playdown-Spiel in Belgien ausgetragen, weil da eine passendere Halle war und in anderen Sportarten ist das sowieso gang und gäbe - Jokerit Helsinki spielt ebenso in der russischen KHL wie Slovan Bratislava oder Kun- lun RS aus Peking. Ungewohnt in Deutschland, anderswo Usus. Nun gut, spielen halt als Deutsche getarnte und vorwiegend slowako-brasilianische Ösis in der Liga mit.

Wobei "mitspielen" nicht unbedingt deren Ambition ist. Die Playoffs sind bereits diese Saison Pflicht und auf Sicht ist in "Hach-bruck" schon geplant, sich bei den Titelaspiranten einzusortieren. Also nicht unbedingt unsere Kragenweite, auch wenn es natürlich immer bei 0:0 losgeht. Darauf zwei Schilling ins Phrasenschwein.

Ein Satz wäre heute ganz schön (okay, drei Sätze wäre natürlich noch schöner), in den ersten beiden Partien waren unsere Volleys ja zumindest in jeweils einem Satz nah dran. Aber man konnte eben auch sehen, dass es noch etwas Zeit braucht, bis hier zusammenwächst, was zusammengehört. Komplett neues Team, neuer Trainer, recht kurze Vorbereitungszeit, unter Berücksichtigung all dieser Faktoren sind beide 0:3-Niederlagen leider nicht völlig überraschend gekommen, zumal Lüneburg und Frankfurt nun auch alles andere als Lauf-Kundschaft sind.

Optimistisch sollten wir dennoch sein, denn es sah teilweise schon ganz gut aus, fand ich. In meiner Ahnungslosigkeit sage ich mal. Noch ärgern wir nur, aber in ein paar Wochen sind wir soweit. Hugh!

Der Saisonauftakt – "Örs vezér tere köszönöm!"

Schweden? Der neue Trainer kommt aus Schweden? Wieso wird in Schweden Volleyball gespielt? Nun, klar, natürlich wird in Schweden Volleyball gespielt, es wird ja sicher auch in Georgien Badminton oder in Mexiko Handball gespielt werden, aber dass in Schweden offensichtlich halbwegs ernsthaft  Volleyball betrieben wird, war mir unbekannt. Italien, Russland, Polen, Kuba, USA, klar, die üblichen Verdächtigen halt, bizarrerweise sogar Aserbaidschan, aber in Schweden spielen doch alle Handball oder Eishockey, wenn sie nicht gerade Kinderbücher schreiben (Mädchen) oder Möbelhäuser gründen (Jungs). Tja, muss ich wohl mein Vorurteilsradar neu jus- tieren, fürchte ich.

Schweden also. Und das ist ja erst der Anfang der neuen Internationalität bei den Volleys, wenn man sich anschaut, woher die neuen Spieler so alles kommen: Australien, Niederlande, Ungarn, Brasilien, USA usw.. Und gespielt haben die Jungs in Portugal, Frankreich, der Schweiz, Tschechien, Polen, Spanien und Estland. Estland hätte ich übrigens für eine genauso bedeutende Volleyball-Großmacht gehalten wie Schweden, aber das behalte ich mal besser für mich, nachdem ich weiter oben schon meine Ahnungslosigkeit offenbart habe.

Und als wäre das alles nicht verwirrend genug, haben Amerikaner dann so schöne amerikanische Namen wie Benz, Australier heißen ur-australisch Boehm und Brasilianer Specht (was bekanntlich das portugiesische Wort für "Specht" ist). Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, soll ein weiterer Australier mit dem schönen, fast schon aboriginischen Namen Lipscombe dann nicht etwa aus Frankreich oder meinetwegen Kanada stammen (als französisch würde ich das ja noch irgendwie durchgehen lassen), sondern aus Tschechien. Äh, Leute, Tschechen heißen Navratil oder Hasek, aber doch nicht Lipscombe!? Bei all dem Durcheinander haben sich die Volleys nicht lumpen lassen und sich ihrerseits der Welt geöffnet – das etwas urbane "Solingen" wurde durch das geradezu kosmopolitische "Bergische" ersetzt. Ist das nichts? Also bitte.

Trainer und Spieler aus aller Herren Länder, eine solche Runderneuerung ist doch spannend und sollte dafür sorgen, dass wir etwas häufiger mit einem etwas besseren Gefühl nach Hause gehen, als das letzte Saison der Fall war. Denn wenn wir ganz ehrlich zu uns selbst sind, ist es nicht nur Pech gewesen, dass wir abgestiegen wären, wenn es in der Liga denn einen Abstieg gegeben hätte, auch wenn, dem Modus sei Dank, dieser sportliche bis zum allerletzten Spiel hätte abgewendet werden können. Unter dem Strich waren schon ein paar üble Klatschen dabei, und damit meine ich jetzt nicht einmal die Bonusspiele gegen Berlin oder Fried- richshafen, sondern eher semibrillante Aufritte der Marke KW. Egal, Schnee von gestern. Vertrauen wir dar- auf, dass sich das mit all den neuen Spielern, Trainern und Managern nicht wiederholt. Dass es stattdessen niederländische (Poffertjes), amerikanische (Spare-Ribs – in der Halle gegrillt! Das wird ein Fest!) oder brasi- lianische (Caipirinha) Spezialitäten beim Catering gibt und freuen wir uns auf ein buntes Multikulti-Team, in dem allerhand lustige Sprachen gesprochen werden.

Ungarisch zum Beispiel. Mit dem Satz aus der Überschrift dieser Kolumne habe ich schon mehrfach geglänzt – er ist universal einsetzbar als Glückwunsch, Zeitangabe, philosophische Bemerkung oder wofür auch sonst er gebraucht wird. Er ist inhaltlich zwar totaler Blödsinn („örs vezer tere“ ist ein Bahnhof in Budapest, „kös- zönöm“ heißt ‚danke‘), aber das weiß außer unserem neuen Libero ja niemand, weil kein Mensch diese merk- würdige Sprache, in der „türkisch“ (und das ist jetzt kein Witz) wirklich und tatsächlich „törkös“ heißt, spricht – probiert es aus und lasst Euch für Eure Kenntnisse bewundern! Es funktioniert.

Auf eine bunte Saison, Sebastian!